28.06.2018 | Stephan Bals | 7 min Lesezeit
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Interim Management – der Markt boomt

Der kontinuierliche Wachstumstrend für das Interim Management in Deutschland hält laut der jährlichen Mitgliederumfrage der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e. V. (DDIM) weiter an¹. Auch unsere erfahrenen digatus Consultants agieren immer wieder in der Funktion des Interim Managers. Wann es sinnvoll ist, einen Interim Manager zu engagieren und welche Qualitäten dieser mitbringen sollte, erläutert Stephan Bals im Interview.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Beratung und Interim Management?

Interim Management widmet sich klar der operativen Führung (dem Managen) von Unternehmen, Unternehmensteilen, Projekten und/oder Spezialthemen. Dabei kann Interim Management unterschiedlichste Funktionen und Positionen abbilden, wie Vorstand, Geschäftsführer oder Projektleiter.
Beratung ist eine gänzlich vom operativen Geschäft entkoppelte Aufgabenstellung, die zu Ziel hat, Unternehmensstrukturen, Themen, Prozesse etc., unabhängig vom operativen Alltag zu hinterfragen und gezielt zu optimieren. Dabei ist es dringend erforderlich, sich nicht an den aktuellen, operativen Strukturen zu orientieren. Vielmehr ist ein Blueprint das Ziel, wie ein optimaler Prozess, eine optimale Herangehensweise zukünftig aussieht.

Welche Berührungspunkte hatten Sie bereits persönlich mit Interim Management?

In Holding-geführten Strukturen begegnete mir das Konzept sehr häufig, insbesondere im Kontext von Unternehmenskäufen. Der Investor (Käufer) etabliert auf diese Art einen „Vertrauten“ in der neuen Organisation.
Auch bei Schieflagen einzelner Beteiligungen, bei Ressourcenengpässen oder für die Umsetzung von Fokusthemen ist Interim Management ein geeignetes Instrument, um gezielt und mit den richtigen Skills eine Position temporär zu besetzten.
Persönlich hatte ich diese Berührungspunkte im Rahmen meiner Tätigkeit bei der Allgeier SE, sowohl mit als auch selbst als Interims-Geschäftsführer und Vorstand in einzelnen Beteiligungen.

Welche typischen Aufgaben werden einem Interim Manager übertragen?

Besonders bei Unternehmenskäufen erhöht der Interim Manager als „Vertrauter“ die Transparenz über die tatsächliche Situation im Unternehmen und ermöglicht ein schnelleres und besseres Kennenlernen der Kultur, Organisation und Menschen. Am Ende ist mit diesem Wissen eine deutlich zielgerichtetere und risikofreiere Transformation in die Holdingstruktur bzw. in das Zielunternehmen möglich. Fallstricke sind im Vorfeld bekannt, interne „Politik“ kann gezielt angegangen, informative Strukturen optimal ausgenutzt werden.
Auch in „normalen“ Unternehmensstrukturen ist Interim Management ein immer beliebteres Instrument, um zum Beispiel temporäre Ressourcenengpässe in strategisch wichtigen Themen, fehlendes Spezial-Know-how oder langwierige Recruitmentprozesse kurzfristig zu überbrücken.
Immer häufiger wird Interim Management zum Testen eines Managers genutzt, vor allem je spezifischer die Anforderungen an die Stelle sind. Auch ist es nicht unüblich dieses als Übergangslösung für interne Nachfolgeregelungen einzusetzen, um beispielsweise den Zielkandidaten mittelfristig aufbauen zu können.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie im Interim Management?

Know-how Abfluss: Eine von Beginn an geplante, lückenlose Übergabe ist besonders wichtig, um signifikante Know-how-Verluste zu vermeiden, da sonst das temporär aufgebaute Know-how bereits vertraglich fixiert wieder aus dem Unternehmen abwandert.
Organisationsumstellung: Mitarbeiter, Manager, Kunden und Lieferanten müssen sich bereits nach kurzer Zeit wieder auf einen neuen Manager und dessen individuelle Herangehensweise einstellen.
Überzeugungskraft: Als Interim Manager gilt es, überzeugend aufzutreten und möglichst ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis aufzubauen. Sonst besteht die Gefahr, dass ihm oder ihr nicht die erforderliche Ernsthaftigkeit entgegengebracht wird, da ein Ausscheiden ohnehin von Anfang an definiert ist. Es könnte Stakeholder, wie Manager oder Mitarbeiter, dazu verleiten, Themen einfach “auszusitzen”.

Grundsätzlich halte ich Interim Management in der heutigen, immer schnelleren, projektbasierten, agileren und digitalen Welt, als ein sehr geeignetes Mittel, um Organisationslücken schnell und effizient zu schließen.
Vorstandsvorsitzender Stephan Bals von digatus
Stephan Bals
Vorstandsvorsitzender

Welche Eigenschaften zeichnen einen guten Interim Manager für Sie aus?

Eine gewisse Erfahrung und Seniorität ist grundlegende Voraussetzung für einen erfolgreichen Interim Manager. Er sollte die geforderte Situation bereits mehrmals erlebt und gemeistert haben.
Ein guter Interim Manager besitzt Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsstärke. Er zeichnet sich aus durch sachliches, faktenbasiertes Management und ist in der Lage, Mitarbeiter und Stakeholder für seine Vorhaben zu begeistern. Er besitzt außerdem die Fähigkeit, Strukturen und Organisationen zu analysieren, zu verstehen und sich dort schnell zurechtzufinden und einzuarbeiten.
Um die erkannten Ergebnisse transparent zu dokumentieren und darzustellen, sollte ein Interim Manager außerdem einen entsprechenden „Werkzeugkasten“ aus Methoden, Tools und Templates mitbringen.

 

Vielen Dank Stephan für das interessante Interview!

Mitgliederumfrage der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e. V.

Stephan Bals

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