MVP im Detail: Irrtümer und Hürden
19.10.2018 | Daniel Bäumler | 8 min Lesezeit
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MVP im Detail: Irrtümer und Hürden

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Wenn Minimum Viable Products (MVPs) richtig eingesetzt werden, bringen sie viele Vorteile mit sich. Doch ein falsches Verständnis des MVP-Konzepts kann den Erfolg eines neuen Produktes oder Geschäftsmodells verhindern. Um dem entgegenzuwirken, gilt es, den Prozess zu verstehen, Missverständnisse zu klären und entscheidende Hürden zu beachten.

Wie verläuft der MVP-Prozess?

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Entscheidet man sich für den Einsatz von MVPs, so werden im Rahmen des Prozesses vier grundlegende Phasen durchlaufen: entwickeln, messen, analysieren und lernen.

Phasen im MVP-Prozess
Ablauf des MVP-Prozesses

Die initiale Produkt- oder Geschäftsidee wird zunächst auf ihre wichtigsten Kernfunktionen reduziert. Diese bilden die Basis für die anschließende Entwicklung des Minimum Viable Products. In dieser Phase ist es wichtig, die Entwicklung zügig voran zu bringen und dabei den Fokus auf den tatsächlichen Kundennutzen zu legen, anstatt nach absoluter Perfektion zu streben und zu sehr ins Detail zu gehen. Diese disziplinierte Herangehensweise ermöglicht eine schnelle Markteinführung des MVPs.

Nach dem Release geht es darum, die Zufriedenheit der Nutzer möglichst detailliert und umfangreich zu messen. An diese wichtigen Informationen gelangt man zum Beispiel durch Umfragen, Usability-Tests oder die Beobachtung der Nutzer im Umgang mit dem Produkt.

Anhand der gesammelten Informationen und des Nutzer-Feedbacks werden ausführliche Analysen durchgeführt, um den Erfolg des MVPs zu ermitteln und Verbesserungspotentiale zu entdecken.

Wurde die richtige Zielgruppe erreicht? Erfüllt das Produkt die Kundenbedürfnisse? Wie häufig werden bestimmte Funktionen genutzt? Die während der Analyse ausgearbeiteten Antworten auf derartige Fragen bilden die Grundlage des darauffolgenden Lernprozesses. Dieses bessere Verständnis für die Bedürfnisse der Zielgruppe fließt dann in die Weiterentwicklung des MVPs mit ein, wodurch eine kontinuierliche Verbesserung gewährleistet wird.

 

Nur wenn dieses Konzept wirklich verstanden und die Vorgehensweise entsprechend konsequent umgesetzt wird, ist der MVP-Ansatz erfolgsversprechend. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, gilt es daher, vorherrschende Missverständnisse zu klären und Befürchtungen zu relativieren.

Welchen Irrtümern unterliegen MVPs?

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Ein MVP kann die Anforderungen nicht erfüllen.
Die Ansprüche eines Unternehmers an ein neues Produkt sind häufig sehr hoch, denn er hat bereits das fertige Endprodukt vor Augen mit all seinen Funktionen und Möglichkeiten. Diese höchst detaillierte und vielleicht sogar idealisierte Vorstellung der Produktidee kann dazu führen, dass die eigentliche Kernfunktion des Produkts in den Hintergrund gerät. Doch genau an dieser Stelle setzt der große Vorteil des MVP an, denn es hilft dabei, die tatsächlichen Anforderungen der Nutzer herauszufinden und zu evaluieren.

 

Ein MVP schreckt potentielle Kunden ab.
Ein MVP kann Nutzer abschrecken, weil zum Beispiel gewünschte Features fehlen oder noch Bugs vorhanden sind. Da es sich jedoch noch nicht um ein vollkommen ausgereiftes Produkt handelt, ist dies verständlich. Doch durch eine offene und klare Kommunikation kann man das Risiko reduzieren und bei den Nutzern von Anfang an Verständnis erzeugen. Mit dem Hinweis auf die kontinuierliche Verbesserung des Produkts entlang der Kundenwünsche erhöht sich im Idealfall sogar die Bereitschaft zur Mithilfe in Form von Feedback.

 

Das fertige Endprodukt möchte jeder haben. Wozu also ein MVP?
So denkt vermutlich jeder über seine eigene Produkt- oder Geschäftsidee. Doch es kann durchaus vorkommen, dass die potentiellen Kunden anderer Meinung sind. Um das Risiko eines Misserfolges zu verringern, empfiehlt es sich also das Produkt in Form eines MVPs zunächst auf seine Marktchancen hin zu testen. Außerdem ist es sinnvoll, sich vorläufig nur auf eine bestimmte Zielgruppe zu konzentrieren. Da nicht jede Zielgruppe über die gleichen Bedürfnisse verfügt, reduziert sich somit die Komplexität der Ansprache und sie kann zielgerichteter erfolgen.

Welche Hürden sind im MVP-Prozess zu bewältigen?

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Neben der korrekten Anwendung des Konzepts und den vorherrschenden Missverständnissen gibt es für den erfolgreichen Einsatz von MVPs im Vorfeld noch weitere Hürden und Risiken zu beachten.

 

Die Konkurrenz schläft nicht.
Durch die schnelle Markteinführung eines MVPs kann man seine Idee noch vor der Konkurrenz den Kunden präsentieren und sich somit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Hierbei ist allerdings der strategisch richtige Zeitpunkt zu wählen, da die Konkurrenz folglich Aufschluss über die aktuellen Ideen und Entwicklungen erhält.

 

Falsche Beweggründe.
Die Aussicht auf Kosten- und Zeitersparnisse durch den Einsatz von MVPs klingt sehr verlockend. Doch gehen diese Ersparnisse zu Lasten der Qualität, kann das die Nutzer verärgern und zu deutlichen Imageschäden für das Unternehmen führen.

 

Aus dem erhaltenen Feedback lernen.
Ein besonders wichtiger Aspekt im MVP-Prozess ist es, das erhaltene Feedback anzunehmen und vor allem daraus zu lernen. Denn eine Fülle an Features und Funktionen ist bedeutungslos, wenn sie nicht auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt ist. In der aktiven Umsetzung des Feedbacks steckt demnach großes Potential, welches jedoch häufig nicht voll ausgeschöpft wird.

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Daniel Bäumler

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